Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft

Basiskurs LW I: Ulrich von Zatzikhoven: Lanzelet

Dienstag, 05.12.2017

Der in den romanischen Ländern überaus beliebte Lancelot-Stoff erfuhr im deutschsprachigen Mittelalter zwei Bearbeitungen: zum einen in Gestalt des voluminösen ›Prosa-Lancelot‹, zum anderen durch den ›Lanzelet‹-Roman Ulrichs von Zatzikhoven, der im Zentrum des Kurses steht. Beim Autor handelt es sich wahrscheinlich um einen 1214 urkundlich belegten Plebanus von Lommis (Kanton Thurgau). Als Quelle seines Romans nennt Ulrich ein welschez (französisches) buoch. Dieses stamme aus dem Besitz von Hugo von Morville, der als Geisel für den gefangenen englischen König Richard Löwenherz an den Stauferkaiser Heinrich VI. gestellt wurde. Ulrich gibt an, auf Drängen eines Freundeskreises dieses Buch ins Deutsche übertragen zu haben. Nicht weniger abenteuerlich als der Weg der französischen Vorlage in den deutschsprachigen Raum gestaltet sich der Inhalt von Ulrichs Roman, der frühestens 1194 und spätestens 1230 verfasst worden sein muss. Während die für den Lancelot-Roman in der Nachfolge Chrétiens de Troyes so zentralen Elemente der Ginover-Liebe und der Karrenritter-Episode fehlen, wird der Stationenweg des jungen Lanzelet vom Dümmling hin zum besten ritter und Ehemann der vollkommenen Iblis in zahlreichen bunt ausgemalten Episoden nachgezeichnet. Im Mittelpunkt des Kurses steht die Textlektüre, die durch thematische Analysen (z.B. der Stellung des ›Lanzelet‹ in der Reihe der Artusromane oder der Darstellung der Minneproblematik) ergänzt wird. Literatur: Textausgabe - Ulrich von Zatzikhoven: Lanzelet. Text ? Übersetzung ? Kommentar. Studienausgabe. Hrsg. von Florian Kragl. Berlin/New York: Walter de Gruyter 2009 (= de Gruyter Texte). Zur Einführung - Wolfgang Achnitz: Deutschsprachige Artusdichtung des Mittelalters. Eine Einführung. Berlin/Boston: Walter de Gruyter 2012, S. 162-176 (Kapitel ›Nachahmer oder Vordenker? Ulrich von Zatzikhoven und der ›Lanzelet‹‹).

Veranstaltungsart:Vorlesung/Seminar
Dozierende(r): Dr. Robert Schöller
05.12.2017:10:15 - 12:00
Ort: Unitobler
Lerchenweg 32-36
3012 Bern
F-107, Seminarraum

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