Kunstgeschichte

Recycling – Transfer, Adaption und Aneignung in der Wiederverwendung von textilen Objekten und Materialien

Dienstag, 04.12.2018

Schnuppervorlesung im Rahmen der Bachelorinformationstage: Heute verbinden wir mit Textilrecycling vor allem knisternde Plastiksäcke und einen wachsenden Wirtschaftszweig, der einst florierende Textilproduktionen in Afrika zum Erliegen bringt. Diesen negativen Folgen einer auf immer rascheren Konsum ausgerichteten ‘Wegwerfgesellschaft’ ist – historisch betrachtet – die Wiederverwendung von Textilien als gleichsam anthropologische Konstante gegenüberzustellen. So gehörten Textilien und textile Objekte zu den wertvollsten und teuersten Gütern, mit denen sich Menschen umgaben. Sowohl in der Ausstattung von Räumen, als auch in der Kleidung kam ihnen grosse Bedeutung zu, und dies gilt nicht allein für Seidenstoffe mit aufwendigen Mustern, grossformatige Tapisserien und Stickereien mit Gold- und Silberfäden, sondern auch für Gewebe aus Wolle, Leinen und Baumwolle. Ihre Herstellung war arbeitsintensiv und zeitaufwendig, die Anschaffung deshalb kostspielig. Die Wiederverwendung solcher Materialien war darum schon aus wirtschaftlichen Gründen geboten. Doch nicht nur das: Schenkungen profaner Kleidung, beispielsweise an Kirchen wo man liturgische Ausstattungsstücke daraus herstellen liess, versprachen ein nachhaltiges Gedenken an den Stifter. Eine Berufung auf hochgestellte Protektoren oder Protektorinnen der jeweiligen Institution bezeugt zugleich deren eigenen Anspruch, ist Legitimation in Berufung auf eine ruhmreiche Vergangenheit, materialisiert im umgearbeiteten Gewand. Im Zuge einer Musealisierung historischer Gewebe wurden diese oft schon mehrfach umgearbeiteten Textilien dann teils wiederum zu einer Gewebebahn rekonstruiert. Ob von Sammlern dekorativ an die Wand gehängt oder in Kunstgewerbemuseen als Vorlage für die aktuelle Produktion zur Verfügung gestellt: Stets ist es ein grundlegender Funktionswandel, der mit einem Recycling einhergeht. Die damit verbundenen gestalterischen und konstruktiven Herausforderungen lassen sich nicht zuletzt an aktuellen künstlerischen Positionen ablesen, die sich vor allem konsumkritisch dem Thema Recycling verschrieben haben. Anhand von Beispielen vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart zielt die Vorlesung darauf, die historische Zeugniskraft einer Wiederverwendung von Textilien auszuloten.

Veranstaltungsart:Vorlesung/Seminar
Dozierende(r): Prof. Dr. Birgitt Borkopp
04.12.2018:18:15 - 19:45
Ort: Hauptgebäude
Hochschulstrasse 4
3012 Bern
HS 201

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