Theaterwissenschaft

Seminar: Theater und Nostalgie: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Mittwoch, 05.12.2018

«Den folgenden Rückzug hinter die Vierte Wand, in das Theater der Staubmilben [...], kann ich nicht nachvollziehen. [...] Wenn das Theater ins neunzehnte Jahr-hundert drängt (bzw. von der zahlungskräftigen Nostalgie gedrängt wird), treibt mich der Fluch meiner späten Geburt in die Kantine.» (H. Müller) Im Fokus des Seminars stehen theatrale Erinnerungsdiskurse und Vergegenwärtigungen von Vergangenheit auf der Bühne. Nostalgie gilt als Todsünde im Angesicht des Zukunftsoptimismus’; als Leidenschaft des Zurückkehrens (N. Savarese) und ambivalente Sehnsucht nach einer – eigenen, fremden, imaginierten, überhöhten – Geschichte, nach dem Authentischen, Ursprünglichen, Ungebrochenen, setzt sie als Prämisse voraus, dass man sich inmitten einer Verlusterfahrung, auf Reisen oder im Exil befindet. Phänomene unterschiedlicher Zeit/Räume – Phantasmen der Retheatralisierung bei George Sand, Antonin Artaud, Jacques Copeau, programmatische Formen wie das «Nostalgische Puppentheater» (Dortmund) und das «Nostalgietheater Balgach», Inszenierungen wie L’Âge d’or (A. Mnouchkine), Riesenbutzbach (Ch. Marthaler), Nostalgie 2175 (A. Hilling) oder Enzyklopädie des Verschwindens (A. Koch) – wer-den daraufhin befragt, inwiefern Theater historistisch bzw. exotistisch geprägte Gegengeschichte entwirft, oder Voraus-Erinnerungen für ein Zeitalter des Posthumanismus. Wenn die absolute Gegenwärtigkeit charakteristisch für Theater ist, wie verhält es sich dann zur Nostalgie, jener Gegenwart auslöschenden «kleine[n] Schwester der Apokalyse» (R. Bucheli)?

Veranstaltungsart:Vorlesung/Seminar
Dozierende(r): Dr. Laurette Conny Burgholzer
05.12.2018:14:15 - 18:00
Ort: Hauptgebäude
Hochschulstrasse 4
3012 Bern
2. Etage, 208, Seminarraum

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